The Movie Community HomeLetzer Film Dienstag, 29. September 2020  08:48 Uhr  Mitglieder Online7
Sie sind nicht eingeloggt

Neuland (CH 2013)


Genre      Documentary
Regie    Anna Thommen ... 
Buch    Anna Thommen ... 
Darsteller    Andreas Schultheiss ... 
Christian Zingg ... 
Nazlije Aliji ... 
Studio    Fama Film AG ... 
 
Agent KarlOtto
 
Wertungen5
Durchschnitt
7.20 
     Meine Wertung
[Prognose] [Werten]


Start in den deutschen Kinos:
23.04.2015



3 Meinungen   [Ihre Meinung zu diesem Film]

KodyMonstah
18.07.2018 10:52 Uhr / Wertung: 9 - Letzte Änderung: 18.07.2018 um 11:01
Gelungene und berührende Langzeitbeobachtung einer Integrations- und Berufswahlklasse von eingewanderten Jugendlichen in Basel. Die junge Filmemacherin und Ex-Lehrerin Anna Thommen hat im musik- und kommentarlosen Abschlussfilm ihres Filmstudiums eine solche Klasse die vollen zwei Jahre begleitet, wie sie in Basel seit 1990 für nicht mehr schulpflichtige Jugendliche angeboten wird, die noch nicht lange im Land sind, um ihnen einen besseren Standpunkt für die folgende Ausbildung zu geben. Thommen überzeugt mit einer Dramaturgie, die auf eine künstliche Dramatisierung & Idealisierungen verzichtet und zeigt auf, wie viel schon kleinste Hilfestellungen bewirken können, wenn sie nur hartnäckig & fachkundig durchgezogen werden.

Der Lehrer und Ruhepol der Klasse, Mitte 50, steht im Zentrum des Films. Es wird gezeigt, wie dieser mehr und mehr zur Bezugsperson wird und mit all seiner Erfahrung und Humor den jungen Menschen Mut macht Hindernisse zu überwinden (bspw. Vorurteile und die Basler Mundart bei Bewerbungen, Trennung von der Familie, Zukunftsängste), ihnen jedoch auch klar macht, dass Disziplin vonnöten ist, man z. B. mit schlechten Leistungen nicht das gewünschte Studium aufnehmen kann.

Beispielhaft für die ganze Klasse hat die Regisseurin ein paar Schicksale herausgegriffen, die sie verfolgt. Da gibt es zwei albanische Geschwister, die nach dem Tod ihrer Mutter von Serbien zu ihrem Vater in die Schweiz zogen. Drei andere Jugendlich sind abenteuerlich aus Afghanistan geflohen. Einer von ihnen musste seine Flucht teuer bezahlen und steht nun unter dem Druck der Rückzahlung der Schulden, da die Geldgeber drohen seiner Familie ansonsten das Land wegzunehmen, weswegen er nebenher auch noch arbeiten muss.

Die Doku zeigt nicht nur die sprachliche, soziale und psychische Entwicklung der SchülerInnen, sondern nimmt so auch Anteil an den Dramen in ihren Leben, wie einem erstmal abgelehnten Asylantrag und einer lange erfolglosen Ausbildungsplatzsuche, und macht die Ängste der Menschen ebenso sichtbar wie die Anstrengungen & Schwierigkeiten bei der Integration. Sie macht aber auch aufmerksam auf die Leute, die ihnen einen guten Start in die Eingliederung ermöglichen und sie nicht gleich fremdenfeindlich empfangen, sodass solch engstirnigen Denkmustern mit alles in Zweifel ziehenden, unbelegten Behauptungen entgegengewirkt wird, wie sie WinstonSmith unter diesem Kommentar hegt, der mal wieder überhaupt nicht ertragen kann, wenn die gezeigten Realitäten nicht seiner gewohnten rechten Filterblase entsprechen.
WinstonSmith
16.07.2018 12:06 Uhr / Wertung: 2
Wenn man mal einen Moment davon ausgehen würde, dass das in dieser "Dokumentation" gezeigte, Normalität wäre und der Wahrheit entspräche, dann würde ich diesen Film als kurzweilig und stellenweise sogar lustig bezeichnen. Denn ca. 15 junge Menschen bei ihrem Einstieg ins Erwachsenenleben zu begleiten, kann auch interessant sein. Aber selbstredend ist an diesem Film nichts Normal und nichts entspricht der Wahrheit.
Was man offiziell zu sehen bekommt, ist eine zwei Jahren dauernde Berufs-Vorbereitungsklasse für nicht deutschsprechende minderjährige Ausländer in der Schweiz, etwas, das im Vorspann "neueingereiste" genannt wird. Für die Inszenierung dieser Geschichte, die immer wieder auf die Sympathie, das Mitgefühl, und das Herz des Zuschauers abzielt, wurden drei Vorzeige-Jugendliche ausgewählt, und deren Werdegang bearbeitet.
Und so sehen wir einen angeblich 19-jährigen Afghanen, schüchtern bekommt er kaum den Mund auf, neigt zu Selbstverletzungen, und sorgt sich in einem Fort um seine Familie. Aus einem anderen Blickwinkel sieht man aber jemanden, dessen Reise bis in die Schweiz 20 000 Dollar (!!) gekostet hat (und der dieses Geld innerhalb von zwei Jahren zurückzahlen muss, und das sogar schafft. Wie?), dessen Verwandte zu Hause immer nach Geld fragen, und sagen, er solle sich eine Arbeit suchen, und dessen Asylantrag abgelehnt wird (was natürlich später von den "Helfern" doch eingeklagt wird). Er ist somit das typische "Ankerkind", das von der Familie fortgeschickt wird um Geld zu beschaffen, und um vermutlich den späteren Familiennachzug zu ermöglichen. Mit Flucht hat das wenig zu tun, und mit Asyl erst recht nicht.
Die beiden anderen Jugendlichen sind ein albanisches Geschwisterpaar. Sie, die beste Schülerin der Klasse, spricht in kürzester Zeit sogar Schweizerdeutsch, und wird in ihrer Hilfsbereitschaft so von den Verwandten bei denen sie wohnt ausgenutzt, das sie kaum zum Lernen kommt. Und ihr Bruder ist einfach der nette Kumpel von Nebenan. Die Problemkinder (um es harmlos auszudrücken) werden selbstverständlich nicht gezeigt, wobei man sie jedoch sehr genau identifizieren kann, wenn die ganze Klasse als Gruppe zu sehen ist.
"Neuland" ist definitiv die bestgemachte "Dokumentation" zu diesen Themen die ich bisher gesehen habe, und verfehlt seine Wirkung nicht, so dass man sich wirklich immer wieder selbst daran erinnern muss, das hier ein Lügenmärchen erzählt wird.
ayla
21.04.2017 16:25 Uhr
Höchstpunktzahl für den Lehrer...
Und gesunde 8 Punkte für diese Dokumentation.
Ja, das ist das Leben.
Mit allen positiven und negativen Erfahrungen, die die Leute hier machen müssen.

Hervorragende, gefühlvolle Doku über den Alltag einer Basler Integrationsklasse. Hautnah dabei, mit eindrücklichen Bildern und Erkenntnissen.
Der Film lebt auch von den sympathischen Porträtierten, wobei er für mich durchaus auch etwas kritischer hätte sein dürfen, etwa mit den Behörden oder auch der Bevölkerung.

3 Meinungen   [Ihre Meinung zu diesem Film]