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The Limits of Control (US 2009)

The Limits of Control - Der geheimnisvolle Killer (DE 2009)


Genre      Crime / Drama / Mystery / Thriller
Regie    Jim Jarmusch ... 
Buch    Jim Jarmusch ... 
Darsteller    Isaach De Bankolé ... 
Bill Murray ... 
Gael García Bernal ... 
John Hurt ... 
Tilda Swinton ... 
[noch 5 weitere Einträge]
 
Agent TheRinglord1892
 
Wertungen51
Durchschnitt
5.57 
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DVD-Erscheinungstermin:
04.12.2009

Start in den deutschen Kinos:
28.05.2009



3 Meinungen   [Ihre Meinung zu diesem Film]

DerHannig
14.06.2009 16:34 Uhr / Wertung: 7
Also erstmal vorweg: The Limits of Control ist für mich ein großartig umgesetzter ... hmm, was eigentlich?...Thriller? Experimentalfilm? Tai-Chi-Werbefilm? Für einen Thriller bietet er viel zu wenig Handlung, für einen Experimentalfilm ist er viel zu exakt und als eine einzige Meditation kann er auch nicht ganz durchgehen. Obwohl er die Ansprüche der verschiedenen Genres nur ungenügend erfüllt, ist Jarmusch ein starker Film gelungen, der mich irgendwie dann doch mitgezogen hat und trotz aller Inhaltlosigkeit viel Gehalt hat. Aber da ich nun auch ein einfaches Gemüt habe welches befriedigt werden will, kann ich bei der ganzen Anti-Handlung nur 7 Punkte vergeben.

So, dann stürz ich mich auch mal in den Strudel der Interpretation. Ich greife einfach mal die Fragen auf:

AB JETZT BEGINNT DAS SPOILERN!!! Wobei...;-)

Worum geht es in dem Film?
Die Grenzen der Kontrolle? Die Grenze zwischen Realität und Vorstellung? Wahrnehmung und Empfindung? Die Relativität von Sehendem und Gesehenem?

Wer kontroliert wen?
Also was mir an Handlung haften blieb sind Phantasiegestalten die Gedanken über Kunst, Philosophie, Wissenschaft, Liebe, etc. verkörpern und von Mächten bedroht werden die gewaltsame Kontrolle ausüben. Einige Figuren wirken gehetzt als sie durch die Straßen laufen, die "Filmdame" wird von den Mächten sogar geschnappt. Jetzt kann man über diese Mächte natürlich viel interpretieren, was genau wollen sie? Sie sind mächtig weil sie über physische Stärke (Waffen, Helikopter, schicke Autos) verfügen, wirken wie böse, kapitalistische Profitgeier. Sind sie es die sich für "mehr als die anderen halten"? In einigen Jarmusch Filmen (Ghost Dog, Dead man) zieht immer so eine leise Kritik am Profitdenken mit. An den illusionären Konzepten des Fortschritts, an Mechanismen die darauf aus sind Regeln, Standards und Erfolgsrezepte für das Leben zu manifestieren, wenn nötig mit Gewalt. Schönes Beispiel sind die Glaubenskriege in der heutigen Zeit. Doch genau diese Kämpfe, dieses Aufzwingen von Überzeugungen, diese Machtspiele, lässt das lebendige an der Phantasie zu oberflächlichen Hüllen verkommen, denen der Kern fehlt. Jemand der eine Sache liebt, genießt sie für sich, weil es alles ist was er dafür tun kann. Darüber hinaus gibt es keine Kontrolle über Phantasien, Wahrnehmungen, Gedanken, weil jeder Mensch einen "subjektiven Blick" auf die Welt hat, jedes Bild setzt sich erst in der Phantasie zu etwas individuell Eigenem zusammen. Da "die Realitäten beliebig sind" scheitert jeder rationale Kontrollversuch an der individuellen "Vorstellungskraft" jedes Einzelnen.

Wer ist der Hauptcharakter?
Ich denke man sieht einen Mann der seine Umwelt beobachtet und auf sich wirken lässt. Außerdem praktiziert er Tai-Chi, Meditationsübungen die das Prinzip der Harmonie von Körper(Natur) und Geist beinhalteten. Auch die Espresso-Geschichte kann vielleicht als Hinweis auf die Polarität in der Natur interpretiert werden, vielleicht auch einfach als Symbol dass neben ihm ein Platz frei ist. Seine Ablehnung gegenüber Waffen und Handys als Kontrollgegenstand kann man verstehen, aber Sex? Vielleicht ist seine Arbeit ja das "Tagträumen" wo er nur den sinnlichen Reizen nachgehen kann, denn wirkliche Interaktion, zwischen ihm und den anderen Charakteren, findet doch eigentlich kaum statt. Er selber nimmt ja auch eine gewisse Phantasiegestalt an, die er am Ende dann "wegwirft", um in eine andere (oder die wirkliche?) Realität zu treten. Und die Streichholzschachteln? Sind es vielleicht einfach Erfahrungen, Erkenntnisse die jede Gestalt mit sich bringt und die er sich "einverleibt".

Es gibt wohl zu viele Interpretationsansätze und am Ende haben wir wahrscheinlich eien Film gesehen der auch nicht mehr bietet als das weiße Gemälde in dem Museum. Jeder muss für sich eine Vorstellung dazu finden und jeder wird es. Alleine schon dadurch dass man täglich aufwacht und in die Welt hinaus tritt.
malleo
12.06.2009 14:30 Uhr / Wertung: 8 - Letzte Änderung: 12.06.2009 um 14:30
In the Limits of Control begleitet der Zuschauer einen sehr undurchsichtigen Charakter auf einer Art Mission, deren Ziel sich nur sehr bedächtig zu erkennen gibt. Meist wortlos trifft der Mann auf fremde Personen, die ihm Dinge erzählen und Gegenstände für seine „Mission“ zustecken…

Es ist sehr schwer für den Film eine angemessene Zusammenfassung zu geben, ohne dabei zu viel zu verraten und doch ist er gleichzeitig so mysteriös und verschwommen, dass es im ersten Moment gar nicht möglich erscheint überhaupt etwas von der Story erzählen zu können. Der Film ist in jedem Fall sehr fordernd, wenn man versucht ihm zu folgen. Die langen Dialogpausen, in denen der Hauptdarsteller umherwandert und scheinbar nichts weiter tut geben zwar Zeit zum Nachdenken, liefern aber gleichzeitig auch kleine Hinweise, die dem Verwirrspiel mit dem Zuschauer weitere Nahrung liefern.
Die Dialoge besitzen den für Jim Jarmusch typischen, bizarren und ruhigen Humor sind aber eben nur ein kleiner Bestandteil des Films. Allein die Bilder vermögen es schon ebendiesen Humor zu transportieren, so dass Worte nicht zwangsläufig benötigt werden.

Fazit: Der Film ist sehr langatmig, fordernd und hat stückweise auch einen stark künstlerischen Anspruch. Empfehlenswert ist er allemal, aufgrund seiner Komplexität möchte ich jetzt aber noch kein endgültiges Urteil abgeben. Vorerst verteile ich 8 Punkte.


Da ich und Keyzer sicher nicht die einzigen sind, die sich mit der Interpretation dieses Films schwer tun, möchte ich ganz gerne eine kleine Diskussionsrunde anstoßen, indem ich einfach mal mit einigen Beobachtungen loslege.

SPOILER ab hier!

Die wichtigste Frage ist wohl folgende: Worum geht es in dem Film eigentlich?
Ein wichtiger Hinweis darauf ist sicherlich der Titel, der in sich schon die Frage aufwirft wie viel Kontrolle benötigt wird und wo die Grenzen sind. Ebenso schwammig wie der Titel ist auch die Inszenierung, die diese Frage nicht eindeutig beantwortet, sondern viel mehr zum Nachdenken anregt (bei mir hat das außerordentlich gut funktioniert :) ).und dementsprechend eine ordentliche Portion Interpretationsspielraum lässt.

Weitergehend stellt sich nun natürlich die Frage: Wer kontrolliert wen?
Das erste was mir dazu einfällt ist der immer wiederkehrende schwarze Helikopter der Amerikaner. Außerdem ist das Opfer des Hauptcharakters Amerikaner (der Amerikaner und der Hubschrauber gehören, wie sich am Ende zeigt, ja auch zusammen). Geprägt durch die Ereignisse von 9/11, hat sich der Kontrollwunsch der Amerikaner zwar deutlich verstärkt, für den Film würde ich den Amerikanern aber eher eine symbolische Bedeutung beimessen. Einer der Gründe dafür ist, dass keiner der Amerikaner – ebenso wie alle anderen Charaktere – einen Namen hat.

Eine weitere knifflige Frage ist: Wen oder was verkörpert der Mann (also der Hauptcharakter)?
Der erste auffallende Punkt ist die Verschlossenheit des Mannes. Diese legt er erst ganz zum Schluss ab, als er auf den Amerikaner trifft, mit dem er zum ersten Mal im Film einen „echten“ Dialog hat. In dieser Szene spiegelt sich auch der Inhalt der vorigen Gespräche wider, in denen es um Lust/Liebe/Sex, Kunst und Wissenschaft ging, also Dinge, die eigentlich jeden von uns berühren und um deren Kontrolle es zu gehen scheint. Außerdem lehnt der Mann Waffen, die zum ausüben von Kontrolle benötigt werden, und Handys, die kontrolliert werden können, ab. Weshalb der Mann durchgehend Cappuccinos schlürfen muss ist für mich nicht ganz klar geworden, aber vielleicht dienen die zwei Tassen auch nur als Erkennungszeichen für die Leute, mit denen er sich trifft. Die Bedeutung der ThaiChi-Übungen ist mir nicht so klar geworden.

Ein weitere sehr interessanter Punkt, auf den ich irgendwo aufmerksam wurde ist die Veränderung der Schauplätze. Der Film beginnt an einem Flughafen, einer der modernsten Orte in der heutigen Gesellschaft, danach werden die Orte immer ländlicher und rückständiger. Dieses Phänomen ist auch an den Cappuccinos nachvollziehbar, denn die Tassen werden immer einfacher. Inmitten der Einöde findet der Mann am Ende schließlich ein modernes Gebäude (Sat-Schüsseln usw.), das offenbar der Überwachung/Kontrolle dient. Möglicherweise soll damit dargestellt werden, wie uns die Kontrolle vereinsamen lässt oder aber auch wie rückständig wir doch trotz all unserer Technik sind.

Soweit erstmal von mir. Vielleicht konnte ich mal ein paar interessante Interpretationsversuche liefern, die euch beim Verständnis des Films weiterhelfen. Für mich bleiben aber immer noch haufenweise Fragezeichen übrig und ich glaube auch, dass ich bei weitem noch nicht alle Details des Films entdeckt habe (weshalb meine Interpretation auch sehr unvollständig und stellenweise möglicherweise unzutreffend ist). Ich muss den Film auf jeden Fall nochmal sehen, aber bis dahin fänd ich es toll, wenn ein paar von Euch noch in die Diskussion einsteigen würden!
KeyzerSoze
12.06.2009 01:56 Uhr / Wertung: 3
Und ich so ... Häääääääää?!

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