Das Filmstudio A24 hat angekündigt, einen Spielfilm basierend auf dem viralen Backrooms-Phänomen zu produzieren. Die Regie übernimmt Kane Parsons, der durch seine unheimlichen YouTube-Videos zu diesem Thema internationale Bekanntheit erlangte und Millionen von Zuschauern faszinierte. Der erst 18-jährige Filmemacher aus Kalifornien wird damit zu einem der jüngsten Regisseure, die jemals bei A24 unter Vertrag genommen wurden.
YouTube-Sensation wird zur Kinoproduktion
Kane Parsons schuf mit seinen atmosphärischen Horror-Videos eine neue Form des digitalen Storytellings. Seine Darstellung der endlosen, gelben Büroräume eroberte die Plattform im Sturm und etablierte ihn als einen der innovativsten Content-Creator im Bereich des psychologischen Horrors. Die unheimlichen Korridore und das Gefühl der Isolation sprachen eine breite Zielgruppe an und generierten über 50 Millionen Aufrufe.
Das Backrooms-Konzept entstammt ursprünglich einem Internet-Mythos über eine alternative Realitätsebene voller monotoner Räume. Parsons transformierte diese Idee in visuell beeindruckende Kurzfilme, die sowohl Kritiker als auch Fans begeisterten. Seine Arbeit zeichnet sich durch minimalistische Ästhetik und subtile Spannungsaufbau aus. Besonders sein Debütvideo „The Backrooms (Found Footage)“ aus dem Jahr 2022 setzte neue Maßstäbe für Found-Footage-Horror im digitalen Zeitalter.
Die Entstehungsgeschichte der Backrooms reicht bis ins Jahr 2019 zurück, als ein anonymer Nutzer auf dem Imageboard 4chan das Konzept erstmals beschrieb. Die Vorstellung von endlosen, fluoreszierend beleuchteten Büroräumen mit dem charakteristischen Summen alter Neonröhren entwickelte sich schnell zu einem Internet-Phänomen. Parsons gelang es, diesem abstrakten Konzept eine visuelle Identität zu verleihen, die sowohl nostalgisch als auch zutiefst verstörend wirkt.
A24 setzt auf innovative Nachwuchstalente
Die Zusammenarbeit zwischen A24 und dem jungen Filmemacher unterstreicht die Bereitschaft des Studios, unkonventionelle Projekte zu fördern. A24 hat sich bereits mit Produktionen wie „Hereditary“, „Midsommar“ und „The Witch“ als Spezialist für atmosphärischen Horror etabliert. Die Entscheidung, einem YouTube-Creator die Regie anzuvertrauen, zeigt den Wandel in der Filmbranche und die wachsende Anerkennung digitaler Talente.
Parsons bringt eine einzigartige Perspektive mit, die durch seine Erfahrungen im digitalen Medium geprägt wurde. Seine Fähigkeit, mit begrenzten Mitteln maximale Wirkung zu erzielen, macht ihn zu einem idealen Kandidaten für dieses ambitionierte Projekt. Die Verbindung von Internet-Kultur und traditionellem Filmemachen verspricht innovative Ansätze. Das Studio plant, Parsons vollständige kreative Kontrolle zu gewähren, was bei A24-Produktionen durchaus üblich ist.
Branchenexperten sehen in dieser Entscheidung einen strategischen Schachzug. A24 hat in der Vergangenheit bereits mehrfach bewiesen, dass das Studio ein Gespür für aufkommende Trends besitzt. Die Investition in einen so jungen Regisseur könnte sich als wegweisend für die Zukunft des Horrorgenres erweisen. Ähnliche Erfolgsgeschichten wie die von Ari Aster oder Robert Eggers zeigen, dass A24 ein Talent für die Entdeckung außergewöhnlicher Filmemacher hat.
Technische Herausforderungen der Kinoadaption
Die Übertragung des Backrooms-Konzepts von YouTube auf die große Leinwand bringt erhebliche technische und narrative Herausforderungen mit sich. Während Parsons‘ ursprüngliche Videos durch ihre Kürze und Intensität wirkten, muss ein abendfüllender Spielfilm eine komplexere Handlungsstruktur entwickeln. Die Gefahr liegt darin, die minimalistische Ästhetik zu verwässern oder durch zu viele Erklärungen die mysteriöse Atmosphäre zu zerstören.
Parsons arbeitet bereits an einem erweiterten Drehbuch, das die grundlegenden Elemente seiner YouTube-Serie beibehält, aber gleichzeitig genügend Material für einen 90-minütigen Film bietet. Dabei setzt er auf eine Mischung aus Found-Footage-Elementen und traditioneller Kinematografie. Die Produktion plant den Einsatz modernster Kameratechnik, um die charakteristische Atmosphäre der fluoreszierenden Bürolandschaften authentisch einzufangen.
Horror-Genre erlebt digitale Revolution
Das Backrooms-Phänomen verdeutlicht, wie sich moderne Horrorerzählungen entwickeln. Anstatt auf klassische Schockeffekte zu setzen, arbeitet das Konzept mit psychologischer Beklemmung und existenzieller Angst. Diese subtile Herangehensweise findet besonders bei jüngeren Zuschauern großen Anklang und spiegelt zeitgenössische Ängste vor Isolation und endlosen, sinnlosen Strukturen wider.
Die Adaption für die große Leinwand stellt sowohl Chancen als auch Herausforderungen dar. Während YouTube-Videos durch ihre Intimität und Unmittelbarkeit wirken, muss ein Kinofilm andere narrative Strukturen entwickeln. Parsons wird seine bewährten Techniken an das neue Medium anpassen müssen, ohne dabei die Essenz seiner ursprünglichen Vision zu verlieren.
Psychologen haben das Backrooms-Phänomen als Ausdruck moderner Ängste interpretiert. Die endlosen, zwecklosen Räume symbolisieren die Entfremdung in der digitalen Gesellschaft und die Angst vor dem Verlust der eigenen Identität in anonymen Strukturen. Diese tieferliegenden Bedeutungsebenen machen das Konzept zu mehr als nur einem simplen Horror-Gimmick.
Ausblick auf die Filmproduktion
Die Dreharbeiten sollen voraussichtlich im Frühjahr 2024 beginnen, mit einem geplanten Kinostart Ende 2024 oder Anfang 2025. A24 hat bereits bestätigt, dass der Film ein moderates Budget erhalten wird, das Parsons‘ minimalistischen Ansatz unterstützt, ohne die künstlerische Vision zu kompromittieren. Die Filmbranche beobachtet gespannt, ob die Übertragung viraler Internet-Inhalte ins Kino erfolgreich gelingt.
Sollte das Backrooms-Projekt Erfolg haben, könnte es einen Trend für weitere Adaptionen von Online-Phänomenen auslösen und neue Wege für aufstrebende Filmemacher eröffnen. Die Verschmelzung von digitaler Kreativität und traditionellem Filmemachen könnte eine neue Ära des Horrorgenres einläuten, in der die Grenzen zwischen verschiedenen Medien zunehmend verschwimmen.