Der Blockbuster Spider-Man: No Way Home konnte seinen weltweiten Erfolg nicht in China fortsetzen – und das aus einem überraschend simplen Grund. Sony Pictures-Chef Tom Rothman enthüllte kürzlich, dass eine kleine Statue of Liberty-Szene den Kinostart in der Volksrepublik verhinderte.
Winzige Filmszene blockiert Milliardenmarkt
Die chinesischen Behörden verlangten die Entfernung einer kurzen Sequenz, in der die Freiheitsstatue zu sehen ist. Dieses amerikanische Wahrzeichen gilt in China als politisch problematisch. Sony weigerte sich jedoch, die entsprechenden Szenen aus dem Film zu schneiden, was letztendlich zum kompletten Verzicht auf eine China-Veröffentlichung führte.
Rothman erklärte, dass das Studio bewusst auf künstlerische Integrität setzte, anstatt kommerzielle Kompromisse einzugehen. Diese Entscheidung kostete den Superhelden-Film vermutlich hunderte Millionen Dollar an zusätzlichen Einnahmen. Die fragliche Szene dauert nur wenige Sekunden und zeigt die Statue während einer Kampfsequenz im New Yorker Stadtbild.
Brancheninsider berichten, dass die Verhandlungen zwischen Sony und den chinesischen Zensurbehörden über mehrere Monate hinweg liefen. Das Studio prüfte verschiedene Alternativen, darunter digitale Nachbearbeitung und alternative Schnittversionen. Letztendlich entschied man sich jedoch gegen jegliche Änderungen am ursprünglichen Material.
Finanzielle Auswirkungen des China-Verzichts
Der Sony-Manager schätzt, dass Spider-Man: No Way Home bei einem regulären China-Start die Zwei-Milliarden-Dollar-Marke geknackt hätte. Tatsächlich spielte der Film weltweit etwa 1,9 Milliarden Dollar ein und wurde damit zum vierterfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten.
China repräsentiert traditionell einen der lukrativsten Märkte für Hollywood-Produktionen. Superhelden-Filme erzielen dort regelmäßig dreistellige Millionensummen. Der Verzicht auf diesen Markt bedeutete für Sony einen erheblichen Gewinnverlust. Analysten beziffern die entgangenen Einnahmen auf 200 bis 300 Millionen Dollar, basierend auf der Performance vergleichbarer Marvel-Filme in China.
Die vorherigen Spider-Man-Filme waren in China außerordentlich erfolgreich. „Spider-Man: Far From Home“ erzielte dort 2019 über 200 Millionen Dollar Umsatz. Diese Zahlen verdeutlichen das enorme finanzielle Risiko, das Sony mit seiner Entscheidung einging. Investoren und Aktionäre des Unternehmens reagierten zunächst verhalten auf die Nachricht über den China-Verzicht.
Politische Zensur prägt Filmlandschaft
Die Episode verdeutlicht die zunehmenden Spannungen zwischen Hollywood und chinesischen Zensurbehörden. Immer häufiger verlangen die Behörden Änderungen an westlichen Filmen, um politisch sensible Inhalte zu entfernen oder anzupassen. Die Freiheitsstatue gilt dabei als besonders problematisches Symbol amerikanischer Werte und Demokratie.
Andere Studios haben in der Vergangenheit solche Forderungen erfüllt, um Zugang zum chinesischen Markt zu erhalten. Disney entfernte beispielsweise 2022 LGBTQ+-Inhalte aus „Lightyear“, um eine Freigabe in verschiedenen Ländern zu erhalten. Sony entschied sich diesmal für einen anderen Weg und nahm finanzielle Einbußen in Kauf, um die ursprüngliche Vision des Films zu bewahren.
Experten sehen in der chinesischen Filmzensur ein systematisches Problem. Neben politischen Symbolen werden auch Darstellungen von Gewalt, übernatürlichen Elementen und westlichen Werten häufig beanstandet. Diese Beschränkungen zwingen Hollywood-Studios zu kostspieligen Doppelproduktionen oder schwierigen künstlerischen Kompromissen.
Branchenweite Herausforderungen und Zukunftsaussichten
Die Situation zeigt exemplarisch die Dilemmata auf, denen sich internationale Filmstudios gegenübersehen. Einerseits locken die enormen Umsatzpotentiale des chinesischen Marktes, andererseits zwingen politische Beschränkungen zu künstlerischen Kompromissen. Der chinesische Filmmarkt generiert jährlich über 7 Milliarden Dollar Umsatz und gilt als zweitgrößter weltweit.
Branchenexperten beobachten eine wachsende Tendenz bei amerikanischen Studios, sich weniger stark von chinesischen Zensurwünschen beeinflussen zu lassen. Warner Bros., Universal und andere Majors überdenken ihre China-Strategien angesichts verschärfter politischer Spannungen zwischen den USA und China. Die Corona-Pandemie verstärkte diese Entwicklung zusätzlich.
Dies könnte langfristig zu einer Neuausrichtung der globalen Filmvermarktung führen, bei der künstlerische Integrität wieder stärker gewichtet wird als reine Markterschließung. Gleichzeitig entwickeln chinesische Produktionsfirmen eigene Superhelden-Franchises, um die Lücke westlicher Blockbuster zu füllen. Diese Entwicklung könnte die Abhängigkeit von Hollywood-Importen langfristig reduzieren.