Der Streaming-Gigant Netflix hat sich die Übertragungsrechte für die erfolgreiche Science-Fiction-Serie „The Man in the High Castle“ gesichert. Die ursprünglich von Amazon Prime Video produzierte Serie wird damit in naher Zukunft auch auf der Plattform des Konkurrenten verfügbar sein. Diese Übernahme markiert einen bedeutenden Schritt in der anhaltenden Schlacht um Premium-Inhalte zwischen den großen Streaming-Diensten.
Alternative Geschichte kommt zu Netflix
„The Man in the High Castle“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Philip K. Dick aus dem Jahr 1962 und spielt in einer alternativen Zeitlinie, in der die Achsenmächte den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben. Die Serie zeigt ein geteiltes Amerika unter deutscher und japanischer Besatzung, wobei die Ostküste vom Großdeutschen Reich und die Westküste vom Japanischen Kaiserreich kontrolliert wird. Entwickelt wurde die Produktion von Frank Spotnitz, der bereits durch seine Arbeit an „Akte X“ bekannt geworden war.
Die Handlung konzentriert sich auf verschiedene Charaktere, die in dieser dystopischen Welt leben und arbeiten. Im Zentrum steht dabei eine mysteriöse Sammlung von Filmen, die eine alternative Realität zeigen – eine Welt, in der die Alliierten den Krieg gewonnen haben. Diese Filme werden vom titelgebenden „Mann im hohen Schloss“ verbreitet und bilden den Kern des Widerstands gegen die faschistischen Regime.
Streaming-Konkurrenz kämpft um beliebte Inhalte
Die Übernahme der Serie verdeutlicht den intensiven Wettbewerb zwischen den großen Streaming-Anbietern um hochwertige Inhalte. Netflix erweitert damit sein Portfolio um eine preisgekrönte Produktion, die ursprünglich als Flaggschiff-Serie für Amazon Prime Video diente. Die vierteilige Serie lief von 2015 bis 2019 und erhielt mehrere Auszeichnungen für ihre aufwendige Produktion und das komplexe Storytelling.
Branchenexperten schätzen, dass Netflix für die Lizenzrechte einen hohen zweistelligen Millionenbetrag gezahlt haben dürfte. Solche Investitionen sind mittlerweile Standard im Streaming-Geschäft, wo Plattformen bereit sind, erhebliche Summen für bewährte Inhalte auszugeben, um ihre Abonnentenzahlen zu steigern und die Konkurrenz zu schwächen.
Erfolgreiche Serie wechselt die Plattform
„The Man in the High Castle“ gilt als eine der erfolgreichsten Original-Serien von Amazon Prime Video und war maßgeblich daran beteiligt, die Streaming-Plattform als ernstzunehmenden Konkurrenten zu etablieren. Die Serie überzeugte sowohl Kritiker als auch Zuschauer durch ihre düstere Vision einer Welt unter faschistischer Herrschaft und die detailgetreue Darstellung des alternativen Geschichtsverlaufs.
Die Produktion kostete Amazon schätzungsweise über 100 Millionen Dollar für alle vier Staffeln. Gedreht wurde hauptsächlich in Vancouver, Kanada, wobei aufwendige Sets die geteilten USA der 1960er Jahre nachstellten. Besonders beeindruckend waren die visuellen Effekte, die bekannte amerikanische Wahrzeichen unter Nazi- und japanischer Herrschaft zeigten, darunter das Weiße Haus mit Hakenkreuz-Fahnen.
Kritikerlob und Zuschauererfolg für dystopische Vision
Die Serie erhielt durchweg positive Kritiken und wurde für ihre nuancierte Darstellung komplexer moralischer Fragen gelobt. Auf der Bewertungsplattform Rotten Tomatoes erreichte die erste Staffel 95 Prozent positive Kritiken. Besonders hervorgehoben wurde die schauspielerische Leistung von Alexa Davalos, Rupert Evans und Joel de la Fuente, die die Hauptrollen übernahmen.
Die Serie gewann 2016 den Emmy Award für herausragende Haupttitel-Gestaltung und wurde in mehreren weiteren Kategorien nominiert. Auch international fand die Produktion Anerkennung und wurde in über 200 Ländern ausgestrahlt. Die komplexe Erzählstruktur und die philosophischen Fragen zur Natur der Realität machten sie zu einem Diskussionsthema in akademischen Kreisen.
Mit diesem Schritt setzt Netflix seine Strategie fort, das eigene Angebot durch den Erwerb erfolgreicher Produktionen anderer Anbieter zu stärken. Die genauen Konditionen der Lizenzvereinbarung und das Startdatum auf Netflix wurden bislang nicht bekannt gegeben. Fans der Serie können sich jedoch darauf freuen, alle vier Staffeln bald auf einer weiteren Plattform streamen zu können. Branchenkenner erwarten, dass die Serie bereits im kommenden Quartal auf Netflix verfügbar sein wird.