Der renommierte brasilianische Regisseur Kleber Mendonça Filho präsentiert mit seinem neuesten Werk einen zutiefst persönlichen Dokumentarfilm über seine Geburtsstadt Recife. In dem essayistischen Film beleuchtet der Filmemacher den Wandel der brasilianischen Küstenmetropole und widmet sich dabei besonders der lokalen Kinokultur. Das Werk entstand über einen Zeitraum von drei Jahren und kombiniert historische Aufnahmen mit zeitgenössischen Beobachtungen der sich rapide verändernden Stadtlandschaft.
Persönliche Reise durch eine sich wandelnde Stadt
Mendonça Filho führt die Zuschauer durch die Straßen von Recife und dokumentiert dabei sowohl die architektonischen als auch die kulturellen Veränderungen seiner Heimat. Der Film fungiert als cinematographisches Tagebuch, in dem der Regisseur seine eigenen Erinnerungen mit der gegenwärtigen Realität der Stadt verknüpft. Dabei entstehen poetische Momente, die weit über eine reine Stadtdokumentation hinausgehen. Die Kamera fängt sowohl die kolonialen Gebäude der Altstadt als auch die modernen Hochhäuser ein, die das Stadtbild zunehmend prägen. Besonders eindringlich sind die Sequenzen, in denen verlassene Kinos und ehemalige Kulturzentren gezeigt werden, die dem städtischen Fortschritt zum Opfer fielen.
Kinokultur als zentrales Thema
Ein besonderer Fokus liegt auf der Entwicklung der Kinolandschaft in Recife. Mendonça Filho zeigt, wie sich die Filmkultur der Stadt über die Jahre verändert hat und welche Bedeutung das Kino für die lokale Gemeinschaft besitzt. Der Dokumentarfilm reflektiert dabei auch über die Rolle des Films als Bewahrer von Erinnerungen und kultureller Identität. Interviews mit lokalen Kinobetreibern, Filmkritikern und langjährigen Kinobesuchern verdeutlichen den dramatischen Wandel der Filmlandschaft. Während in den 1980er und 1990er Jahren noch über zwanzig Kinos in der Innenstadt existierten, sind heute nur noch wenige übrig geblieben. Der Regisseur dokumentiert auch die Entstehung neuer Multiplexe in Einkaufszentren und deren Auswirkungen auf die traditionelle Kinokultur.
Essayistische Filmsprache trifft auf Nostalgie
Der brasilianische Filmemacher wählt für sein Werk eine sehr persönliche, essayistische Herangehensweise. Statt einer klassischen dokumentarischen Struktur entwickelt sich der Film wie ein visueller Essay, der zwischen Vergangenheit und Gegenwart pendelt. Diese Erzählweise verleiht dem Werk eine melancholische Atmosphäre, die die Vergänglichkeit urbaner Räume thematisiert. Mendonça Filho nutzt dabei verschiedene Filmformate und experimentiert mit Super-8-Material aus seiner Jugend sowie digitalen Aufnahmen der Gegenwart. Die Montage folgt einem assoziativen Prinzip, wodurch unerwartete Verbindungen zwischen verschiedenen Zeitebenen entstehen.
Regisseur mit internationaler Anerkennung
Kleber Mendonça Filho gilt als einer der wichtigsten Vertreter des zeitgenössischen brasilianischen Kinos. Seine Spielfilme „Aquarius“ und „Bacurau“ erhielten internationale Auszeichnungen und liefen auf renommierten Filmfestivals wie Cannes. Der 1968 in Recife geborene Regisseur arbeitete zunächst als Filmkritiker und Journalist, bevor er sich dem Filmemachen widmete. Seine Werke zeichnen sich durch eine präzise Beobachtung sozialer Veränderungen und eine unverwechselbare visuelle Handschrift aus. Mit dem aktuellen Dokumentarfilm kehrt er zu seinen journalistischen Wurzeln zurück und verbindet diese mit seiner cinematographischen Expertise.
Bedeutung für das brasilianische Kino
Der Dokumentarfilm reiht sich in eine Tradition brasilianischer Filmemacher ein, die ihre Heimatstädte porträtieren und dabei gesellschaftliche Entwicklungen reflektieren. Recife, die Hauptstadt des Bundesstaates Pernambuco, erlebt seit Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung, der jedoch auch zu Gentrifizierung und dem Verlust kultureller Identität führt. Mendonça Filhos Werk dokumentiert diesen Prozess mit kritischem Blick und zeigt auf, wie Urbanisierung und Globalisierung lokale Traditionen bedrohen. Gleichzeitig würdigt der Film die Widerstandsfähigkeit der Bewohner und ihre Bemühungen, kulturelle Werte zu bewahren.
Die Produktion richtet sich an Zuschauer ab 14 Jahren und bietet sowohl cineastisch interessierten Filmfans als auch einem breiteren Publikum einen zugänglichen Einblick in die brasilianische Filmkultur. Mendonça Filho, bekannt für seine preisgekrönten Spielfilme, beweist mit diesem Dokumentarwerk erneut sein Gespür für authentisches Storytelling und visuelle Poesie. Der Film wird voraussichtlich auf internationalen Dokumentarfilmfestivals gezeigt und könnte als wichtiger Beitrag zur Diskussion über urbane Entwicklung und kulturelle Identität in Lateinamerika dienen.