Quentin Tarantinos vollständige Version von Kill Bill: The Whole Bloody Affair kommt endlich in die europäischen Kinos. Die über vier Stunden lange Fassung des Rache-Epos mit Uma Thurman wird zunächst im KINO Rotterdam gezeigt, bevor weitere Aufführungen in Deutschland geplant sind.
Vierstündiges Meisterwerk vereint beide Teile
Die Sondervorstellung präsentiert erstmals Tarantinos ursprüngliche Vision des Films als zusammenhängendes Werk. Während die Kinofassungen von 2003 und 2004 in zwei separate Filme aufgeteilt wurden, zeigt „The Whole Bloody Affair“ die Geschichte der Braut ohne Unterbrechung. Diese Version enthält zusätzliche Szenen und alternative Schnitte, die bisher nur wenigen Zuschauern vorbehalten waren.
Die Langfassung umfasst etwa 247 Minuten und präsentiert das Material in chronologischer Reihenfolge. Besonders die berühmte Anime-Sequenz über O-Ren Ishiis Vergangenheit wurde erweitert und zeigt deutlich mehr Gewalt als die Kinofassung. Zudem enthält die Version das komplette Showdown zwischen der Braut und den Crazy 88 in Farbe, während Teile davon in den ursprünglichen Filmen schwarz-weiß dargestellt wurden, um eine härtere Altersfreigabe zu vermeiden.
Uma Thurman kehrt als legendäre Braut zurück
Uma Thurmans ikonische Darstellung der rachedurstigen Protagonistin steht im Mittelpunkt der Langfassung. Die Schauspielerin verkörpert eine Auftragskillerin, die nach einem Mordanschlag auf ihre Hochzeit erwacht und systematisch ihre ehemaligen Kollegen verfolgt. In der erweiterten Version kommen zusätzliche Charaktermomente und Kampfszenen zur Geltung, die das psychologische Porträt der Hauptfigur vertiefen.
Besonders hervorzuheben sind die erweiterten Dialoge zwischen der Braut und Bill, gespielt von David Carradine. Diese Szenen beleuchten die komplexe Beziehung zwischen den beiden Charakteren und erklären die Motive für den finalen Showdown ausführlicher. Auch die Rückblenden zu ihrer gemeinsamen Zeit als Liebespaar und Geschäftspartner wurden um mehrere Minuten verlängert.
Technische Perfektion und Soundtrack-Erweiterung
Die Whole Bloody Affair-Version wurde digital restauriert und bietet eine verbesserte Bild- und Tonqualität gegenüber den ursprünglichen Kinofassungen. Tarantino nutzte die Gelegenheit, um kleinere Farbkorrekturen vorzunehmen und den Sound-Mix zu optimieren. Der bereits legendäre Soundtrack wurde ebenfalls erweitert und enthält zusätzliche Musikstücke, die in den Kinofassungen nicht verwendet wurden.
Besonders die Kampfchoreografien von Yuen Woo-ping kommen in der Langfassung noch besser zur Geltung. Die erweiterten Actionsequenzen zeigen mehr von den aufwendig einstudierten Schwertkämpfen und geben den Zuschauern einen tieferen Einblick in die verschiedenen Kampfstile der einzelnen Charaktere. Die berühmte Szene im House of Blue Leaves wurde um etwa 15 Minuten verlängert und zeigt die komplette Choreografie ohne Schnitte.
Seltene Gelegenheit für Tarantino-Fans
Filmliebhaber erhalten durch diese Aufführung Zugang zu einer der seltensten Versionen in Tarantinos Filmografie. Der Regisseur hatte „The Whole Bloody Affair“ ursprünglich als einheitliches Werk konzipiert, musste jedoch aufgrund der Laufzeit von über vier Stunden eine Teilung vornehmen. Nur bei wenigen Festival-Vorführungen und speziellen Anlässen wurde die Komplettfassung bisher gezeigt.
Die Version wurde erstmals 2011 beim New Beverly Cinema in Los Angeles präsentiert, Tarantinos eigenem Kino. Seitdem gab es nur sporadische Aufführungen in ausgewählten Kinos weltweit. Die meisten Fans waren bisher auf Bootleg-Kopien oder seltene Import-DVDs angewiesen, um die Langfassung zu sehen. Die offizielle Kinopremiere in Europa stellt daher einen Meilenstein für Sammler und Cineasten dar.
Branchenexperten spekulieren bereits über eine mögliche Blu-ray-Veröffentlichung der Whole Bloody Affair-Version. Tarantino hatte in der Vergangenheit jedoch stets betont, dass diese Fassung primär für das Kinoerlebnis konzipiert wurde. Die aufwendige Präsentation mit Intermission und speziellen Vorspann-Credits unterstreicht den Event-Charakter der Aufführung.
Die Vorstellung im KINO Rotterdam markiert einen wichtigen Moment für europäische Kinogänger, die bislang auf Import-Kopien oder seltene Screenings angewiesen waren. Branchenkenner erwarten, dass weitere deutsche und internationale Kinos folgen werden, sollte die Resonanz positiv ausfallen. Diese Entwicklung könnte anderen Regisseuren den Weg ebnen, ihre Director’s Cuts oder Langfassungen wieder ins Kino zu bringen.