Die französische Filmikone Brigitte Bardot ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Mit ihr verliert Frankreich eine der prägendsten Figuren des Kinos der Nachkriegszeit – eine Schauspielerin, die in den 1950er- und 1960er-Jahren zum weltweiten Star aufstieg und zugleich zum Symbol einer Epoche wurde. Nach ihrem Tod rücken Kritiker wie Fans erneut jene Rollen in den Fokus, mit denen Bardot Filmgeschichte schrieb – und die bis heute nachwirken.
Früher Start und schneller Aufstieg
Bardots Karriere begann außergewöhnlich früh. Noch als Teenager wurde sie entdeckt, arbeitete zunächst als Model und fand dann rasch den Weg vor die Kamera. Was sie von Beginn an auszeichnete, war eine seltene Mischung aus natürlicher Präsenz, Unangepasstheit und einer Ausstrahlung, die sich nicht in gängige Schablonen fügen ließ. Genau das machte sie zum Idealbild eines neuen, moderneren Stars – und zugleich zum Gesicht einer Generation, die nach frischen Bildern und anderen Erzählungen verlangte.
Der internationale Durchbruch gelang ihr Mitte der 1950er-Jahre mit „Und immer lockt das Weib“. Der Film machte Bardot über Nacht weltberühmt und veränderte den Blick auf weibliche Rollenbilder im damaligen Kino. Plötzlich stand nicht mehr die makellose Distanz im Zentrum, sondern ein Spiel aus Selbstbewusstsein, Sinnlichkeit und innerer Spannung – provokant für die Zeit, aber unwiderstehlich für ein Publikum, das genau diese Reibung spürte.
Mehr als ein Image: Schauspiel zwischen Leichtigkeit und Tiefe
Bardot wurde lange auf das Etikett des Sexsymbols reduziert – doch ihre besten Auftritte lebten gerade von den Gegensätzen. Ihre Figuren wirkten häufig zugleich frei und verletzlich, unnahbar und überraschend menschlich. Diese Ambivalenz machte sie so filmisch interessant: Bardot konnte die Leinwand mit Leichtigkeit füllen, ohne jemals vollständig berechenbar zu wirken.
Wichtig für ihr künstlerisches Profil waren später die Arbeiten mit großen Regisseuren, die ihr eine Bühne jenseits der reinen Projektion gaben. In „Die Verachtung“ (1963) zeigte sich Bardot in einem Film, der ihre Wirkung nicht nur nutzt, sondern reflektiert – als Teil eines Blicks auf Beziehungen, Macht, Begehren und Entfremdung. Mit „Viva Maria!“ (1965) bewies sie zudem, dass sie neben der dramatischen Spannung auch das temperamentvolle, komödiantische Spiel beherrschte und in größeren, internationalen Produktionen tragen konnte.
Stilikone und kulturelles Phänomen
Parallel zur Filmkarriere wuchs Bardot zu einer Stilfigur, die weit über die Leinwand hinausreichte. Frisur, Make-up, Mode: Der „Bardot-Look“ wurde zu einem eigenen Begriff und prägte Zeitschriften, Fotostrecken und Popkultur über Jahrzehnte hinweg. Ihre Erscheinung wirkte wie ein visueller Kurzschluss – eine Mischung aus Glamour und Ungezwungenheit, die vielen als Gegenbild zur strengen Eleganz der frühen Nachkriegsjahre galt.
Ihr Einfluss blieb so stark, dass Bardot auch lange nach ihrem Rückzug als Referenz für eine bestimmte Art von französischer Coolness und ungezähmter Star-Aura zitiert wurde – ob in Mode, Fotografie oder Musik.
Rückzug aus dem Kino und radikale Neuausrichtung
Bardot beendete ihre Filmkarriere bereits 1973 und zog sich weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Dieser Schritt war nicht nur ein Karriereknick, sondern eine bewusste Abkehr vom Starrummel, der sie über Jahre begleitet hatte. Stattdessen rückte ein anderes Feld in den Mittelpunkt ihres Lebens: der Tierschutz.
Mit der Brigitte Bardot Foundation, die sie 1986 gründete, machte sie ihr Engagement dauerhaft und institutionell. Kampagnen gegen Tierquälerei, gegen bestimmte Jagd- und Zuchtpraktiken sowie gegen Missstände in der Tierhaltung wurden zu ihrem zentralen Thema. Für viele war diese zweite Lebensphase ein Kontrastprogramm zur Filmwelt – und zugleich der Beweis, dass Bardot ihre Popularität auch als politisches und gesellschaftliches Werkzeug verstand.
Ein Vermächtnis, das bleibt – und diskutiert wird
Bardots Filmografie umfasst über vierzig Produktionen, darunter Werke, die heute als Klassiker des europäischen Kinos gelten. Ihr Einfluss reicht von der Star-Ästhetik der 1950er bis in die Bildsprache moderner Popkultur. Sie inspirierte Regisseure, Schauspielerinnen und Künstler – und blieb zugleich eine Figur, an der sich Öffentlichkeit und Zeitgeist immer wieder rieben.
Ihr Tod markiert das Ende einer Ära, aber nicht das Ende ihrer Wirkung. Brigitte Bardot bleibt ein Name, der sofort Bilder auslöst: vom französischen Kino seiner großen Jahre, von einem neuen Verständnis weiblicher Präsenz auf der Leinwand – und von einer Persönlichkeit, die sich dem Rampenlicht entzog, um einen anderen Kampf zu führen.