Der preisgekrönte Western „Der mit dem Wolf tanzt“ von Kevin Costner wird heute Abend um 20:15 Uhr auf arte ausgestrahlt. Der dreistündige Filmklassiker aus dem Jahr 1990 erzählt die Geschichte eines Unionssoldaten, der nach dem amerikanischen Bürgerkrieg Kontakt zu einem Lakota-Stamm aufbaut und dabei seine eigene Weltsicht grundlegend verändert. Lieutenant John Dunbar, gespielt von Costner selbst, wird an einen entlegenen Außenposten versetzt und entwickelt eine tiefe Verbindung zur Natur und den Ureinwohnern der Great Plains.
Revolutionäre Darstellung der Ureinwohner Amerikas
Costners Regiedebüt brach mit den damals üblichen Klischees des Western-Genres und präsentierte die indigenen Völker Nordamerikas erstmals in einem differenzierten Licht. Statt als gesichtslose Antagonisten aufzutreten, werden die Lakota als komplexe Charaktere mit eigener Kultur und Würde dargestellt. Diese revolutionäre Herangehensweise machte den Film zu einem Meilenstein der Filmgeschichte. Besonders die Figuren des Häuptlings Kicking Bird und des Kriegers Wind In His Hair erhielten vielschichtige Charakterzeichnungen, die weit über stereotype Darstellungen hinausgingen.
Die Zusammenarbeit mit Lakota-Beratern während der Produktion sorgte für historische Genauigkeit in Kostümen, Ritualen und gesellschaftlichen Strukturen. Doris Leader Charge, eine Lakota-Sprachwissenschaftlerin, arbeitete eng mit dem Filmteam zusammen, um authentische Dialoge zu entwickeln. Diese Sorgfalt in der Darstellung wurde von indigenen Gemeinschaften weitgehend positiv aufgenommen und markierte einen Wendepunkt in der Filmgeschichte.
Sieben Oscars für Kevin Costners Meisterwerk
Bei der Oscarverleihung 1991 räumte „Der mit dem Wolf tanzt“ gleich sieben Akademie-Auszeichnungen ab, darunter die begehrten Trophäen für den besten Film und die beste Regie. Kevin Costner etablierte sich mit diesem Werk nicht nur als Regisseur, sondern auch als ernstzunehmender Filmemacher, der gesellschaftlich relevante Themen aufgreift. Weitere Auszeichnungen erhielt der Film für die beste adaptierte Drehbuch, den besten Schnitt, die beste Kamera, den besten Ton und die beste Filmmusik von John Barry.
Der kommerzielle Erfolg übertraf alle Erwartungen: Mit einem Budget von 22 Millionen Dollar spielte der Film weltweit über 424 Millionen Dollar ein. In Deutschland lockte er mehr als vier Millionen Zuschauer in die Kinos. Die Kritiker lobten besonders die epische Erzählweise und die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen der amerikanischen Prärie, die in South Dakota gedreht wurden.
Authentische Sprache und Kultur im Mittelpunkt
Besonders bemerkenswert ist die authentische Verwendung der Lakota-Sprache im Film. Große Teile des Dialogs werden in der Originalsprache der Ureinwohner geführt und mit Untertiteln versehen. Diese Entscheidung verstärkt die Glaubwürdigkeit der Erzählung und zeigt den Respekt vor der dargestellten Kultur. Etwa 40 Prozent des Films sind in Lakota gedreht, was damals für einen Hollywood-Blockbuster völlig ungewöhnlich war.
Die Schauspieler, darunter Graham Greene als Kicking Bird und Rodney Grant als Wind In His Hair, lernten monatelang die Lakota-Sprache. Viele der Darsteller waren selbst Angehörige verschiedener Stämme, was der Authentizität zusätzlich zugutekam. Die spirituellen Aspekte der Lakota-Kultur, einschließlich der Beziehung zur Natur und zu den Büffelherden, werden mit großem Respekt dargestellt.
Epische Produktion in den Great Plains
Die Dreharbeiten fanden hauptsächlich in South Dakota statt, wobei die weiten Landschaften der Great Plains eine zentrale Rolle spielen. Costner bestand darauf, an Originalschauplätzen zu drehen, um die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts einzufangen. Die berühmten Büffelszenen wurden mit einer echten Herde gedreht, was logistisch äußerst anspruchsvoll war. Über 3.500 Büffel kamen zum Einsatz, und die Jagdszenen gehören zu den spektakulärsten Sequenzen der Filmgeschichte.
Die Kostüme und Requisiten wurden nach historischen Vorlagen gefertigt. Jedes Detail, von den Lakota-Tipis bis zu den Uniformen der US-Armee, wurde sorgfältig recherchiert. Diese Liebe zum Detail kostete Zeit und Geld, trug aber maßgeblich zur Glaubwürdigkeit des Films bei.
Drei Stunden Kinoerlebnis zur Primetime
Die arte-Ausstrahlung beginnt um 20:15 Uhr und endet gegen 23:05 Uhr. Zuschauer sollten sich auf einen langen, aber lohnenswerten Filmabend einstellen. Die epische Erzählung entfaltet ihre Wirkung am besten, wenn man sich vollständig auf die langsame, aber eindringliche Entwicklung der Geschichte einlässt. Arte zeigt die ungekürzte Kinofassung mit einer Laufzeit von 181 Minuten.
Der Film bleibt auch mehr als drei Jahrzehnte nach seiner Entstehung relevant und bietet eine wichtige Perspektive auf die komplexe Geschichte der amerikanischen Expansion nach Westen. Für Liebhaber anspruchsvoller Western und historischer Dramen ist die heutige Ausstrahlung eine willkommene Gelegenheit, diesen Klassiker zu erleben. Die Themen Toleranz, Verständnis zwischen Kulturen und Umweltschutz haben nichts von ihrer Aktualität verloren.