Der Unterhaltungsriese Disney zieht die Notbremse bei seinen ambitionierten Live-Action-Plänen. Nach einer Reihe enttäuschender Kassenergebnisse hat das Studio ein geplantes Remake-Projekt vollständig eingestellt. Brancheninsider sprechen von einem grundlegenden Strategiewechsel bei dem Medienkonzern, der seine Produktionsphilosophie komplett überdenkt.
Kassenschlager werden zur Seltenheit
Die goldenen Zeiten, in denen jede Neuverfilmung eines Disney-Klassikers automatisch Millionenerträge garantierte, scheinen vorbei zu sein. Mehrere Live-Action-Adaptionen der vergangenen Jahre blieben deutlich hinter den Erwartungen zurück. Filme wie „Dumbo“ (2019) spielten weltweit nur 353 Millionen Dollar ein – bei Produktionskosten von 170 Millionen Dollar ein mageres Ergebnis.
Besonders schmerzlich war das schwache Abschneiden von „Der König der Löwen“ (2019), der trotz eines Einspielergebnisses von 1,6 Milliarden Dollar aufgrund der enormen Marketing- und Produktionskosten von über 250 Millionen Dollar die Gewinnerwartungen nicht erfüllte. Auch „Mulan“ (2020) enttäuschte mit nur 70 Millionen Dollar weltweit, wobei die Corona-Pandemie zusätzlich belastete.
Diese Entwicklung zwang die Verantwortlichen zu einer kritischen Neubewertung ihrer Produktionsstrategie. Interne Analysen zeigen, dass das Publikum zunehmend „Remake-Müdigkeit“ entwickelt und originelle Inhalte bevorzugt.
Projekt wird komplett begraben
Ein konkretes Live-Action-Vorhaben, das bereits in der Entwicklungsphase steckte, wurde nun vollständig gestrichen. Quellen aus dem Studio bestätigen, dass das Projekt als „tot und begraben“ gilt. Die Entscheidung fiel nach internen Diskussionen über die Erfolgsaussichten und die veränderte Marktlage.
Das gestrichene Projekt befand sich bereits in der Vorproduktion und hatte ein geschätztes Budget von 150 Millionen Dollar. Erste Casting-Gespräche waren geführt worden, und Drehbuchautoren hatten bereits mehrere Überarbeitungen vorgelegt. Die Streichung bedeutet einen Verlust von mehreren Millionen Dollar an Entwicklungskosten.
Diese drastische Maßnahme zeigt, wie ernst Disney die aktuellen Herausforderungen nimmt. CEO Bob Iger hatte bereits in Investorengesprächen angedeutet, dass das Unternehmen seine Ausgaben für Remakes überdenken werde. Die Aktionäre begrüßten diese Ankündigung mit steigenden Kursen.
Neue Vorsicht bei Remake-Strategie
Der Kurswechsel bei Disney spiegelt eine branchenweite Entwicklung wider. Auch andere große Studios wie Warner Bros. und Universal überdenken ihre Abhängigkeit von Neuauflagen und Franchises. Das Publikum zeigt sich zunehmend wählerischer und lässt sich nicht mehr automatisch von bekannten Marken locken.
Marktforschungsdaten belegen diesen Trend: Während 2017 noch 68 Prozent der Kinobesucher Interesse an Remakes zeigten, sank dieser Wert bis 2023 auf nur noch 42 Prozent. Besonders die wichtige Zielgruppe der 18- bis 34-Jährigen wendet sich verstärkt Originalproduktionen zu.
Streaming-Plattformen verstärken diesen Wandel zusätzlich. Netflix, Amazon Prime und andere Anbieter setzen erfolgreich auf eigenständige Serien und Filme, die ohne etablierte Marken auskommen. Disney+ muss in diesem Umfeld neue Wege finden, um Abonnenten zu gewinnen und zu halten.
Experten sehen in dieser Entwicklung sowohl Risiken als auch Chancen. Während etablierte Erfolgsrezepte an Wirkung verlieren, könnten innovative Ansätze und originelle Geschichten wieder stärker in den Fokus rücken. Für Disney bedeutet dies eine Rückkehr zu sorgfältigerer Projektauswahl.
Auswirkungen auf zukünftige Produktionen
Die neue Zurückhaltung wird sich voraussichtlich auf das gesamte Produktionsportfolio auswirken. Bereits angekündigte Projekte wie die geplante „Schneewittchen“-Verfilmung könnten einer erneuten Prüfung unterzogen werden. Das Studio will offenbar nur noch Vorhaben realisieren, die echte Erfolgschancen bieten.
Stattdessen plant Disney verstärkte Investitionen in Originalinhalte und die Weiterentwicklung bestehender Franchises wie Marvel und Star Wars. Diese Bereiche zeigen weiterhin stabile Erträge und treue Fangemeinden. Auch Pixar-Produktionen bleiben von den Kürzungen verschont.
Die Personalabteilung bereitet sich bereits auf mögliche Umstrukturierungen vor. Mitarbeiter aus der Live-Action-Abteilung könnten in andere Bereiche versetzt werden. Branchenkenner erwarten jedoch keine größeren Entlassungen, da Disney die freigewordenen Ressourcen anderweitig nutzen will.
Diese Strategie könnte langfristig zu qualitativ hochwertigeren, aber weniger zahlreichen Veröffentlichungen führen. Für die Aktionäre und die Branche insgesamt markiert dieser Wandel einen wichtigen Wendepunkt in der Unterhaltungsindustrie, der andere Studios zum Umdenken zwingen könnte.