Der schottische Schauspieler Gerard Butler blickt auch 15 Jahre nach der Veröffentlichung noch mit Bedauern auf den kommerziellen Misserfolg seines Science-Fiction-Films „Gamer“ aus dem Jahr 2009 zurück. In einem aktuellen Interview äußerte der 54-Jährige seine Überzeugung, dass der dystopische Thriller seiner Zeit voraus war und eine bessere Resonanz verdient hätte. Der Film, der von den Regisseuren Mark Neveldine und Brian Taylor stammte, behandelte bereits damals Themen, die heute hochaktuell sind.
Zu früh für das Publikum erschienen
Butler argumentiert, dass „Gamer“ zum Zeitpunkt seiner Kinoveröffentlichung vom Publikum nicht richtig verstanden wurde. Der Film, der in einer Zukunft spielt, in der Menschen als lebende Avatare in Videospielen fungieren, behandelte Themen wie virtuelle Realität und Gaming-Kultur, die damals noch nicht so präsent waren wie heute. „Die Zuschauer waren noch nicht bereit für diese Art von Geschichte“, erklärte der Hauptdarsteller rückblickend. Die Handlung drehte sich um Kable, gespielt von Butler, der als Gefangener in einem brutalen Online-Spiel namens „Slayers“ um sein Leben kämpfen muss, während er von einem Teenager ferngesteuert wird.
Das Konzept der menschlichen Fernsteuerung durch Gaming-Technologie wirkte 2009 noch wie reine Fantasie. Heute, in Zeiten von fortgeschrittener VR-Technologie und Brain-Computer-Interfaces, erscheinen diese Ideen deutlich realistischer. Butler betont, dass der Film bereits damals die Gefahren einer übermäßig digitalisierten Gesellschaft thematisierte, in der Menschen zu Objekten der Unterhaltung degradiert werden.
Kommerzielle Enttäuschung trotz innovativer Ideen
Der von Lionsgate produzierte Streifen spielte weltweit nur etwa 40 Millionen Dollar ein, bei einem geschätzten Produktionsbudget von 50 Millionen Dollar plus Marketingkosten. In den USA erreichte „Gamer“ lediglich 20,5 Millionen Dollar an den Kinokassen, was für einen Action-Film mit einem etablierten Star wie Butler enttäuschend war. Kritiker bemängelten damals die übertriebene Gewaltdarstellung und das hektische Tempo, während die zugrunde liegende Gesellschaftskritik wenig Beachtung fand.
Die Filmkritiker vergaben durchschnittlich nur 30 Prozent positive Bewertungen, wobei viele die visuellen Effekte und die Actionsequenzen lobten, aber die Handlung als oberflächlich kritisierten. Butler sieht darin einen Beweis dafür, dass innovative Filmkonzepte oft erst Jahre später ihre Anerkennung finden. Der Schauspieler verweist darauf, dass ähnliche Themen in späteren Produktionen wie „Ready Player One“ oder der Netflix-Serie „Black Mirror“ deutlich positiver aufgenommen wurden.
Parallelen zur heutigen Gaming-Welt
Aus heutiger Sicht erscheinen die Themen von „Gamer“ prophetisch. Die rasante Entwicklung von Virtual-Reality-Technologien, E-Sports und Online-Gaming hat viele der im Film dargestellten Konzepte zur Realität werden lassen. Streaming-Plattformen wie Twitch und YouTube Gaming, wo Millionen von Zuschauern anderen beim Spielen zusehen, spiegeln die im Film gezeigte Verschmelzung von Entertainment und interaktiven Medien wider.
Besonders die Darstellung von Gaming als Massenspektakel und die Kommerzialisierung menschlicher Erfahrungen haben sich als visionär erwiesen. Butler weist darauf hin, dass E-Sports-Turniere heute Millionen von Zuschauern anziehen und Preisgelder in Millionenhöhe ausgeschüttet werden. Die im Film thematisierte Entfremdung zwischen Spieler und Charakter findet sich heute in Diskussionen über Gaming-Sucht und die Auswirkungen exzessiven Spielens wieder.
Neubeurteilung durch Streaming-Erfolg
Interessant ist, dass „Gamer“ in den letzten Jahren durch Streaming-Dienste eine Renaissance erlebt hat. Auf Plattformen wie Netflix und Amazon Prime Video fand der Film eine neue Zielgruppe, die seine visionären Aspekte zu schätzen weiß. Butler berichtet, dass er regelmäßig Nachrichten von Fans erhält, die den Film erst Jahre nach seiner Veröffentlichung entdeckt haben und seine Relevanz für die heutige Zeit erkennen.
Der Schauspieler, der durch Filme wie „300“ und „Olympus Has Fallen“ internationale Bekanntheit erlangte, zeigt sich dennoch zufrieden mit seiner Karriereentscheidung. Trotz des kommerziellen Misserfolgs habe ihm die Arbeit an „Gamer“ wertvolle Erfahrungen im Science-Fiction-Genre vermittelt und sein Verständnis für die Komplexität moderner Technologie-Themen geschärft. Heute hofft Butler, dass der Film als Warnung vor den Gefahren einer übermäßig digitalisierten Gesellschaft verstanden wird und weiterhin relevante Diskussionen anstößt.