Der Streaming-Dienst Netflix hat den neuesten Herr der Ringe Film in sein Programm aufgenommen. „The Lord of the Rings: The War of the Rohirrim“ erweitert das Tolkien-Universum um eine animierte Vorgeschichte, die jedoch bei Kritikern und Zuschauern gemischte Reaktionen hervorruft. Die Produktion von Warner Bros. Animation und New Line Cinema kostete geschätzte 30 Millionen Dollar und sollte ursprünglich eine Brücke zwischen den klassischen Filmen und neuen Inhalten schaffen.
Animierte Vorgeschichte enttäuscht Erwartungen
Der Film erzählt die Geschichte von Rohan in einer Zeit vor den bekannten Ereignissen aus Peter Jacksons Trilogie. Trotz der Beteiligung renommierter Sprecher wie Brian Cox bleibt die Produktion hinter den Erwartungen zurück. Die Animation wirkt stellenweise unausgereift und erreicht nicht die visuellen Standards, die Fans von modernen Animationsfilmen gewohnt sind. Regisseur Kenji Kamiyama, bekannt für seine Arbeit an „Ghost in the Shell: Stand Alone Complex“, wählte einen Anime-inspirierten Stil, der jedoch nicht alle Zuschauer überzeugen kann.
Die Handlung konzentriert sich auf Helm Hammerhand, den legendären König von Rohan, und seine Tochter Héra. Die Geschichte spielt etwa 250 Jahre vor den Ereignissen der Herr der Ringe Trilogie und basiert auf Texten aus Tolkiens Anhängen. Während die Grundidee vielversprechend klingt, kritisieren viele die oberflächliche Behandlung der komplexen politischen Verhältnisse in Rohan.
Brian Cox übernimmt zentrale Sprecherrolle
Der schottische Schauspieler Brian Cox, bekannt aus Serien wie „Succession“, leiht einer der Hauptfiguren seine Stimme. Seine erfahrene Darbietung kann jedoch die grundlegenden Schwächen des Drehbuchs nicht vollständig kompensieren. Die Charakterentwicklung bleibt oberflächlich und bietet wenig neue Einblicke in die bereits etablierte Mythologie Mittelerdes. Neben Cox wirken auch Miranda Otto, die bereits in den Live-Action-Filmen Éowyn spielte, sowie Gaia Wise als Héra mit.
Die Synchronisation wurde sowohl für die englische Originalfassung als auch für die deutsche Version sorgfältig ausgewählt. Deutsche Zuschauer erleben die Geschichte mit bekannten Synchronsprechern, die bereits in früheren Tolkien-Adaptionen mitwirkten. Diese Kontinuität soll Fans das Gefühl vermitteln, sich weiterhin im vertrauten Mittelerde-Universum zu befinden.
Kritische Stimmen zur Umsetzung häufen sich
Filmkritiker bemängeln vor allem die schwache Handlungsführung und die fehlende emotionale Tiefe der Geschichte. Im Vergleich zu den erfolgreichen Live-Action-Filmen wirkt diese animierte Variante wie ein kommerzieller Versuch, das beliebte Franchise zu melken. Die Rohirrim, das Reitervolk aus Rohan, verdienen eine bessere cinematische Behandlung ihrer reichen Geschichte. Besonders die Kampfszenen, die eigentlich das Herzstück eines Films über die berühmten Reiter sein sollten, wirken oft statisch und wenig dynamisch.
Auf der Bewertungsplattform Rotten Tomatoes erreicht der Film nur 52 Prozent bei den Kritikern, während das Publikum mit 61 Prozent etwas wohlwollender urteilt. Diese Diskrepanz zeigt die gespaltene Aufnahme des Films. Viele Tolkien-Puristen kritisieren zudem, dass wichtige Details aus den Büchern verändert oder weggelassen wurden, um die Geschichte für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen.
Streaming-Start und Zukunft des Franchises
Netflix sicherte sich die Streaming-Rechte für „The War of the Rohirrim“ nach dessen Kinostart im Dezember 2024. Der Film lief international in über 3.000 Kinos und spielte weltweit etwa 15 Millionen Dollar ein – ein enttäuschendes Ergebnis für ein so bekanntes Franchise. Die schwachen Kinozahlen führten dazu, dass Warner Bros. ihre Pläne für weitere animierte Mittelerde-Filme überdenken musste.
Parallel arbeitet Amazon Studios an der Serie „The Rings of Power“, die ebenfalls das Tolkien-Universum erweitert, jedoch mit einem deutlich höheren Budget von über 400 Millionen Dollar für die erste Staffel. Diese Konkurrenz macht es für andere Studios schwieriger, mit eigenen Tolkien-Projekten erfolgreich zu sein. Die Rechtelage rund um Tolkiens Werk ist komplex und begrenzt die Möglichkeiten für neue Adaptionen erheblich.
Netflix-Abonnenten können sich dennoch selbst ein Urteil über den umstrittenen Film bilden. Für eingefleischte Tolkien-Fans mag die Erweiterung des Universums trotz aller Schwächen interessant sein. Gelegenheitszuschauer sollten ihre Erwartungen jedoch entsprechend anpassen, um Enttäuschungen zu vermeiden. Die Zukunft weiterer animierter Herr der Ringe Projekte hängt stark von der Resonanz auf diesen ersten Versuch ab.