Actionstar Jackie Chan hat mit kontroversen Äußerungen über Steven Spielbergs preisgekrönten Holocaust-Film „Schindlers Liste“ für Aufsehen gesorgt. Der Hongkonger Schauspieler bezeichnete das 1993 erschienene Drama als „schlechten Film“ und kritisierte dessen weitreichende Anerkennung in der Filmbranche. Seine Aussagen erfolgten während eines Interviews mit einem chinesischen Filmmagazin, in dem er über verschiedene internationale Produktionen sprach.
Harsche Kritik an Spielbergs Meisterwerk
Chan äußerte sich abfällig über den mit sieben Oscars ausgezeichneten Film, der als eines der bedeutendsten Werke der Kinogeschichte gilt. Der 69-jährige Martial-Arts-Experte stellte die künstlerische Qualität des Streifens grundsätzlich in Frage und bezeichnete ihn als überbewertet. Diese Einschätzung steht im krassen Gegensatz zur nahezu einhelligen Kritikermeinung und der Wertschätzung durch Millionen von Zuschauern weltweit. Der Film gilt seit seinem Erscheinen als Referenzwerk für die cinematographische Darstellung historischer Tragödien und wird regelmäßig in Listen der besten Filme aller Zeiten geführt.
Besonders kritisierte Chan die schwarz-weiße Bildsprache des Films, die er als „künstlich“ und „übertrieben dramatisch“ bezeichnete. Spielbergs bewusste Entscheidung für diese Ästhetik wird jedoch von Filmwissenschaftlern als meisterhafte Hommage an die Dokumentarfotografie der Zeit interpretiert. Die wenigen Farbakzente, insbesondere das rote Mädchen im Mantel, gelten als ikonische Momente der Filmgeschichte.
Kontroverse um Holocaust-Darstellung im Kino
„Schindlers Liste“ erzählt die wahre Geschichte des deutschen Industriellen Oskar Schindler, der während des Zweiten Weltkriegs über 1.000 Juden vor dem Holocaust rettete. Spielbergs eindringliche Inszenierung wurde international als wegweisend für die filmische Aufarbeitung der Shoah gelobt. Der Film erhielt nicht nur zahlreiche Auszeichnungen, sondern wird auch in Bildungseinrichtungen zur Vermittlung der NS-Verbrechen eingesetzt.
Das Drama basiert auf dem Roman von Thomas Keneally und wurde mit einem Budget von 22 Millionen Dollar produziert. Trotz der schwierigen Thematik spielte der Film weltweit über 321 Millionen Dollar ein und bewies, dass anspruchsvolle historische Stoffe auch kommerziell erfolgreich sein können. Die Dreharbeiten fanden größtenteils in Polen statt, teilweise sogar in den ursprünglichen Schauplätzen der Ereignisse.
Chans filmische Perspektive und kultureller Hintergrund
Jackie Chans Kritik muss im Kontext seiner eigenen filmischen Sozialisation betrachtet werden. Der in Hongkong aufgewachsene Schauspieler ist geprägt von der asiatischen Filmtradition, die oft andere narrative Strukturen und visuelle Codes verwendet. Seine Karriere begann in den 1970er Jahren mit Kung-Fu-Filmen, bevor er sich zu einem der erfolgreichsten Action-Komödianten entwickelte. Chans Filmverständnis ist stark von physischer Komik, spektakulären Stunts und einem optimistischen Weltbild geprägt.
In der chinesischen Filmindustrie, wo Chan seine Wurzeln hat, werden historische Dramen oft mit anderen stilistischen Mitteln erzählt. Epische Kriegsfilme wie „Hero“ oder „Red Cliff“ setzen auf farbenfrohe Bildsprache und choreographierte Kampfszenen. Diese kulturellen Unterschiede könnten Chans ablehnende Haltung gegenüber Spielbergs minimalistischem Ansatz erklären.
Reaktionen aus der internationalen Filmbranche
Die Äußerungen des Rush Hour-Stars haben in sozialen Medien und Fachkreisen heftige Reaktionen ausgelöst. Während einige seine Meinungsfreiheit verteidigen, werfen andere dem Schauspieler mangelnde Sensibilität für die historische Bedeutung des Themas vor. Film-Experten betonen, dass „Schindlers Liste“ weit über ein gewöhnliches Kinodrama hinausgeht und als wichtiges Zeitdokument fungiert.
Mehrere Holocaust-Überlebende und deren Nachfahren äußerten sich enttäuscht über Chans Kommentare. Sie betonten die Bedeutung des Films für die Erinnerungskultur und die Aufklärung jüngerer Generationen. Das USC Shoah Foundation, das von Spielberg nach den Dreharbeiten gegründet wurde, sammelte über 55.000 Zeugenaussagen von Holocaust-Überlebenden und anderen Genozid-Opfern.
Chans kontroverse Vergangenheit bei politischen Themen
Jackie Chan, der durch seine spektakulären Stunts und Komödien berühmt wurde, hat sich in der Vergangenheit bereits mehrfach mit kontroversen Statements zu politischen und gesellschaftlichen Themen hervorgetan. Seine Unterstützung für die chinesische Regierung und kritische Äußerungen zur Demokratiebewegung in Hongkong sorgten bereits für Diskussionen. Der Schauspieler vertritt oft Positionen, die im Westen als umstritten gelten, was seine internationale Reputation beeinflusst hat.
In früheren Interviews hatte Chan bereits westliche Werte und Filmtraditionen in Frage gestellt. Seine Aussage, dass Chinesen „kontrolliert werden müssen“, sorgte 2009 für internationale Empörung. Diese Haltung spiegelt sich möglicherweise auch in seiner Bewertung von „Schindlers Liste“ wider, einem Film, der westliche Werte wie Individualismus und moralischen Mut betont.
Die Diskussion um Chans Bewertung verdeutlicht die unterschiedlichen Perspektiven auf Kunstwerke, die schwierige historische Themen behandeln. Während „Schindlers Liste“ weiterhin als Meilenstein des Filmschaffens gilt, zeigen solche Meinungsverschiedenheiten die Subjektivität künstlerischer Bewertungen auf. Die Kontroverse unterstreicht auch die Herausforderungen der kulturübergreifenden Kommunikation über sensible historische Ereignisse in einer globalisierten Medienlandschaft.