Der britische Schauspieler Rowan Atkinson, weltberühmt durch seine Rolle als Mr. Bean, bedauert bis heute seinen Auftritt in dem James Bond-Film „Never Say Never Again“ aus dem Jahr 1983. In dem Streifen mit Sean Connery übernahm der Komiker eine kleinere Nebenrolle, die er rückblickend als Fehlentscheidung seiner Karriere betrachtet. Die Erfahrung prägte seine spätere Herangehensweise an Rollenwahl und Karriereplanung nachhaltig.
Kleine Rolle mit großen Zweifeln im Bond-Universum
Atkinson verkörperte in dem Bond-Abenteuer einen Geheimagenten namens Nigel Small-Fawcett, der als komische Figur angelegt war. Der Film entstand außerhalb der offiziellen Bond-Reihe von Eon Productions und markierte Sean Connerys Rückkehr in die Rolle des Geheimagenten 007 nach zwölf Jahren Pause. Für Atkinson sollte es eine Gelegenheit sein, sich neben seiner Comedy-Arbeit auch in anderen Genres zu etablieren. Die Produktion unter der Regie von Irvin Kershner verfügte über ein Budget von 36 Millionen Dollar und warb mit hochkarätigen Darstellern wie Kim Basinger, Klaus Maria Brandauer und Barbara Carrera.
Der Film basierte auf Ian Flemings Roman „Thunderball“ und entstand aufgrund komplizierter Rechtsstreitigkeiten parallel zur offiziellen Bond-Serie. Produzent Kevin McClory hatte sich die Filmrechte an der Geschichte gesichert und konnte somit einen konkurrierenden Bond-Film realisieren. Atkinson befand sich zu diesem Zeitpunkt noch am Beginn seiner internationalen Karriere und sah die Beteiligung als Sprungbrett für größere Hollywood-Produktionen.
Künstlerische Unzufriedenheit prägt Rückblick auf Filmarbeit
Der Brite äußerte in verschiedenen Interviews seine anhaltenden Bedenken bezüglich dieser Filmrolle. Atkinson kritisierte sowohl die Qualität des Drehbuchs als auch seine eigene Darstellung in dem Projekt. Die Erfahrung habe ihm gezeigt, dass nicht jede angebotene Rolle automatisch eine Bereicherung für die schauspielerische Laufbahn darstelle. Besonders die Mischung aus Action und Komödie funktionierte aus seiner Sicht nicht zufriedenstellend.
In späteren Gesprächen mit Journalisten beschrieb Atkinson seine Rolle als „schlecht geschrieben“ und „unnötig albern“. Er bemängelte, dass sein Charakter lediglich als Comic Relief fungierte, ohne echte Substanz oder Entwicklung zu besitzen. Die Dreharbeiten in Nassau und anderen exotischen Locations konnten nicht über die grundlegenden Schwächen des Charakters hinwegtäuschen. Atkinson fühlte sich in der Rolle unwohl und konnte seine komödiantischen Fähigkeiten nicht optimal einsetzen.
Produktionsprobleme und Kritikerstimmen zum umstrittenen Bond-Film
„Never Say Never Again“ kämpfte während der gesamten Produktion mit verschiedenen Herausforderungen. Die Konkurrenz zum zeitgleich entstehenden offiziellen Bond-Film „Octopussy“ mit Roger Moore sorgte für zusätzlichen Druck. Kritiker warfen dem Film vor, zu sehr auf Nostalgie zu setzen und Sean Connery lediglich als Zugpferd zu verwenden. Die Mischung aus ernsten Actionsequenzen und komödiantischen Einlagen, zu denen auch Atkinsons Auftritt gehörte, wirkte auf viele Zuschauer unausgewogen.
An den Kinokassen konnte der Film dennoch Erfolge verzeichnen und spielte weltweit über 160 Millionen Dollar ein. Dennoch blieb „Never Say Never Again“ ein umstrittenes Kapitel der Bond-Geschichte. Viele Fans betrachteten den Film als minderwertigen Abklatsch der offiziellen Serie. Für Atkinson verstärkte der gemischte Empfang seine Zweifel an der Rolle und bestätigte seine Bedenken bezüglich der Projektauswahl.
Karriereentscheidungen nach dem Bond-Experiment
Nach dieser Erfahrung konzentrierte sich Atkinson verstärkt auf Comedy-Formate und entwickelte wenige Jahre später die Figur des Mr. Bean, die ihm weltweiten Erfolg bescherte. Die stumme Komödie wurde zu seinem Markenzeichen und machte ihn zu einem der bekanntesten britischen Entertainer. Seine Rolle in „Never Say Never Again“ geriet dabei zunehmend in Vergessenheit, blieb für den Schauspieler jedoch eine wichtige Lektion. Bereits 1990 startete die erste Mr. Bean-Fernsehserie und katapultierte Atkinson in eine völlig neue Liga der internationalen Unterhaltung.
Die Entwicklung von Mr. Bean erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Richard Curtis und anderen Autoren. Atkinson konnte seine Erfahrungen aus dem Theater und seine Vorliebe für physische Komödie optimal einsetzen. Der Erfolg gab ihm recht: Mr. Bean wurde in über 190 Ländern ausgestrahlt und generierte Milliardeneinnahmen durch Merchandising, Kinofilme und Lizenzgeschäfte. Die Figur erwies sich als zeitlos und kulturübergreifend verständlich.
Die Erfahrung mit dem Bond-Film beeinflusste Atkinsons spätere Projektauswahl nachhaltig. Er wurde deutlich wählerischer bei der Annahme von Rollen und fokussierte sich auf Charaktere, die seinen komödiantischen Stärken entsprachen. Diese Strategie erwies sich als goldrichtig und führte zu einer der erfolgreichsten Comedy-Karrieren der Filmgeschichte. Projekte wie „Blackadder“, „Johnny English“ und verschiedene Mr. Bean-Ableger bestätigten seinen Instinkt für die richtige Rollenwahl und machten ihn zu einem Millionär.