Der MDR zeigt am 14. März um 23:00 Uhr den DEFA-Film „Der Dritte“ aus den frühen 1970er Jahren. Das Werk erzählt die Geschichte einer 35-jährigen Mathematikerin und zweifachen Mutter, die nach zwei gescheiterten Beziehungen erneut den Bund der Ehe eingehen möchte.
Gesellschaftskritisches Drama aus der DDR-Filmproduktion
Der Film entstand zu Beginn der 1970er Jahre und sorgte damals durch seine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen für Aufsehen. Die DEFA-Produktion behandelt das Thema Partnerschaft und Ehe aus einer ungewöhnlich offenen Perspektive für die damalige Zeit. Dabei verbindet das Werk ernste Themen mit subtilen humorvollen Elementen.
Im Mittelpunkt steht eine berufstätige Frau, die trotz negativer Erfahrungen in der Liebe nicht aufgibt. Als Mathematikerin verkörpert sie das Bild der modernen, selbstständigen Frau in der sozialistischen Gesellschaft. Gleichzeitig muss sie ihre Rolle als Mutter von zwei Kindern mit ihren persönlichen Wünschen nach einer erfüllten Partnerschaft vereinbaren.
Die Hauptfigur navigiert durch die komplexen Strukturen des DDR-Alltags, wo berufliche Emanzipation und traditionelle Familienvorstellungen oft im Widerspruch standen. Ihre Position als Wissenschaftlerin verleiht ihr gesellschaftliches Ansehen, doch private Erfüllung bleibt ein schwer erreichbares Ziel. Diese Spannung zwischen öffentlicher Anerkennung und persönlichem Glück durchzieht den gesamten Film.
Kritische Töne gegenüber gesellschaftlichen Erwartungen
Besonders bemerkenswert ist die kritische Haltung des Films gegenüber den damaligen gesellschaftlichen Strukturen. Die Produktion hinterfragt traditionelle Rollenbilder und zeigt die Schwierigkeiten einer Frau auf, die sich nicht mit den ersten beiden Partnerschaften zufriedengeben möchte. Diese Darstellung war für die frühen 1970er Jahre durchaus progressiv.
Der leise Humor, der den Film durchzieht, macht die ernsten Themen zugänglicher und verleiht dem Werk eine besondere Atmosphäre. Die Erzählweise kombiniert realistische Alltagsszenen mit nachdenklichen Momenten über Liebe, Partnerschaft und persönliche Erfüllung.
Die Filmemacher wagten es, unbequeme Fragen zu stellen: Warum sollte eine Frau bei einem unpassenden Partner bleiben? Wie vereinbart man Karriere mit Mutterschaft? Diese Themen wurden in der DDR-Gesellschaft zwar diskutiert, aber selten so direkt im Kino behandelt. Der Film zeigt auch die sozialen Vorurteile gegenüber mehrfach geschiedenen Frauen auf und kritisiert die doppelten Standards der Gesellschaft.
Entstehungskontext und filmische Bedeutung
„Der Dritte“ entstand in einer Phase der DEFA-Geschichte, in der Filmemacher mehr künstlerische Freiheiten erhielten und gesellschaftskritische Themen behandeln konnten. Die frühen 1970er Jahre markierten eine Zeit des kulturellen Aufbruchs in der DDR, in der auch das Kino neue Wege beschritt.
Die Besetzung des Films spiegelt die damalige Schauspielerlandschaft der DDR wider, mit Darstellern, die authentisch das Leben der Arbeiterklasse und Intelligenz verkörperten. Die Kameraführung und Bildsprache folgen dem realistischen Stil der DEFA, verzichten auf große Gesten und setzen stattdessen auf subtile Beobachtung des Alltags.
Regisseur und Drehbuchautoren schufen ein Werk, das sowohl Unterhaltung als auch gesellschaftliche Reflexion bot. Die Darstellung der Protagonistin als komplexe Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen war ungewöhnlich für die damalige Zeit, in der Filmfiguren oft idealisiert wurden.
Sendetermin und Einordnung in die DEFA-Geschichte
Die Ausstrahlung erfolgt in der Nacht von Donnerstag auf Freitag und dauert bis 00:45 Uhr. „Der Dritte“ gehört zu jenen DEFA-Filmen, die sich durch ihre unkonventionelle Herangehensweise an gesellschaftliche Themen auszeichneten. Solche Produktionen trugen dazu bei, das Spektrum des DDR-Kinos zu erweitern und auch kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen.
Für Liebhaber des deutschen Films bietet die Sendung eine Gelegenheit, ein weniger bekanntes Werk der DEFA-Filmgeschichte zu entdecken. Die Kombination aus persönlicher Geschichte und gesellschaftlicher Kritik macht den Film auch heute noch sehenswert und relevant für Diskussionen über Partnerschaft und Rollenbilder.
Der MDR setzt mit der Ausstrahlung seine Reihe zur Würdigung des DEFA-Erbes fort und macht historische Filmwerke einem neuen Publikum zugänglich. Solche Produktionen dokumentieren nicht nur die Filmgeschichte, sondern auch die gesellschaftlichen Debatten ihrer Entstehungszeit.