Regie: Patrick Hughes | Cast: Alan Ritchson, Dennis Quaid, Stephan James, Jai Courtney, Esai Morales | Laufzeit: 107 Min. | Seit: 6. März 2026 auf Netflix
Es gibt Filme, die den Anspruch haben, die Welt zu verändern. Und es gibt Filme, die einfach nur wollen, dass man sich zwei Stunden lang gut unterhält. War Machine, der neue Netflix-Actioner von Regisseur Patrick Hughes (The Expendables 3, The Hitman’s Bodyguard), gehört ganz klar zur zweiten Kategorie – und das ist ausdrücklich keine Kritik. Manchmal ist das genau das, was man braucht.
Worum geht’s?
Staff Sergeant 81 – einen anderen Namen bekommt Alan Ritchsons Figur lange nicht – ist ein Army Ranger mit Trauma. Sein Bruder ist bei einem missglückten Einsatz in Afghanistan gestorben, und seitdem trägt er an einer Schuld, die ihn nicht loslässt. Um den Traum seines Bruders zu vollenden, meldet er sich zur härtesten Ausbildung der US-Armee: dem Ranger Assessment and Selection Program, kurz RASP.
Soweit, so konventionelles Militärkino. Man kennt die Bilder: Schlammige Hindernisparcours, brüllende Ausbilder, Männer die fast ertrinken und trotzdem weitermachen. War Machine läuft zunächst solide, aber brav die Genreklischees ab. Und dann, etwa ein Drittel des Films später, passiert etwas Unerwartetes.
Mitten im finalen Trainingsmanöver im australischen Busch explodiert etwas am Himmel. Die Kommunikation fällt aus. Und am Flussufer liegt etwas, das definitiv kein abgestürztes Militärflugzeug ist. Was folgt, ist Predator auf australischem Terrain – eine riesige, außerirdische Tötungsmaschine macht Jagd auf die Ranger-Rekruten, und plötzlich ist aus dem Militärdrama ein Creature-Feature geworden.
Alan Ritchson: Der Film und sein Anker
Wer Reacher kennt, weiß, was er bekommt: einen Mann, der aussieht, als hätte ihn jemand aus Beton gegossen, und der trotzdem mehr schauspielerisches Gespür mitbringt, als man von seinen Maßen erwarten würde. Ritchson trägt War Machine auf seinen breit-muskelbewehrten Schultern, und er macht das gut. Sein 81 ist kein strahlender Held, sondern ein Mann mit Rissen – still, abweisend, von PTSD gezeichnet. Dass man trotzdem mit ihm mitfiebert, liegt hauptsächlich daran, dass Ritchson diese Mischung aus physischer Präsenz und innerer Zerrissenheit inzwischen perfekt beherrscht.
Dennis Quaid als erfahrener Sergeant Major Sheridan gibt den väterlichen Fels, der seinen Rekruten gelegentlich die Leviten liest. Stephan James als Teamkollege bringt etwas Wärme ins Ensemble. Jai Courtney ist solide. Tiefgang sucht man bei den Nebenfiguren vergebens – aber der war auch nie versprochen.
Predator-Vibes mit australischem Flair
Das Herzstück des Films ist das Monster selbst, und hier macht Hughes einiges richtig. Der Killer-Roboter aus dem All – eine Art hochtechnologisierte, außerirdische Kampfmaschine – ist kein Ungeheuer aus dem Horrorlehrbuch, sondern etwas Kälteres: eine Maschine ohne Emotionen, ohne Gier, ohne Sadismus. Sie tötet, weil sie dafür gebaut wurde. Das verleiht ihr eine eigene, beunruhigende Qualität, auch wenn die Effekte ab und zu die Grenzen des Netflix-Budgets erkennen lassen.
Die Entscheidung, den Film in Victoria, Australien und Queenstown, Neuseeland zu drehen, zahlt sich ästhetisch aus. Kameramann Aaron Morton findet in den dichten Wäldern und reißenden Flüssen natürliche Schönheit mitten im Chaos. Wenn die Kamera über das Team schwenkt, das einen brausenden Fluss hinunterrauscht, oder durch das grüne Unterholz hetzt – das sieht tatsächlich gut aus. Besser, als man es bei einem Streaming-Actioner erwartet.
Und Regisseur Hughes, der offensichtlich ein Faible für das Actionkino der 80er und 90er hat, inszeniert die Konfrontationen mit echtem Handwerk: wenig überflüssiges CGI-Spektakel, stattdessen grobkörniger, grunziger Nahkampf. Das ist wohltuend oldschool.
Bitte nicht zu lange nachdenken
Die größte Freude an War Machine hängt davon ab, wie bereit man ist, Logikfragen in der Garderobe abzugeben. Woher kommt der Roboter genau? Warum verhält er sich so, wie er sich verhält? Was genau sind seine Motive oder sein Programm? Wie kommt es, dass ausgerechnet eine Gruppe von Ranger-Rekruten im australischen Trainingswald zur letzten Verteidigungslinie der Erde wird? Diese Fragen sollte man sich nicht stellen. Nicht weil der Film dumm ist – sondern weil er gar nicht erst den Anspruch stellt, auf sie zu antworten.
Das ist das Kalkül des Films, und es ist ein ehrliches: War Machine will keine tiefgründige Alien-Parabel sein. Dass das außerirdische Killer-Ding auch als Metapher für unkontrollierte KI-Entwicklung gelesen werden kann, deutet der Film zwar an – aber so beiläufig, dass man es auch einfach ignorieren darf. Wer einen Gedankenfilm sucht, ist hier falsch. Wer einen Film sucht, bei dem Alan Ritchson einen Riesenroboter verprügelt und dabei gut aussieht, ist goldrichtig.
Fazit: Solide Popcorn-Action ohne Oscar-Anspruch
War Machine ist kein großes Kino. Er ist auch kein schlechter Film. Er ist genau das, was er sein will: schnelle, kompetent gemachte Streaming-Unterhaltung für einen Freitagabend auf der Couch. Hughes weiß, wie man Action inszeniert. Ritchson weiß, wie man einen Film trägt. Und wer sich mit dem Erbe von Predator im Hinterkopf durch die grünen australischen Wälder schleichen lässt, wird gut zwei Stunden lang bestens unterhalten.
Nicht mehr, nicht weniger. Und manchmal ist genau das genug.
Wertung: 6/10 – Gute Popcorn-Unterhaltung
Erschienen auf score11.de